Wie bodypositivity und Lipödem zusammenpassen

Seit meiner Diagnose 2015 beschäftigte ich mich viel bewusster mit meinem Aussehen und meiner Wirkung auf Andere.
Kritische Kommentare treffen mich kaum noch und ehrliche Anerkennung berührt mich immer noch tief.

Denn ich weiß, ich bin krank.
Weder faul, noch undiszipliniert. Eben krank. Und damit komme ich klar.

Das war nicht immer so

Selbst war ich viele Jahre in einer Partnerschaft in der mir täglich vermittelt wurde, dass mit mir etwas nicht stimmt. Das so wie ich bin etwas nicht mit mir in Ordnung sei und korrigiert werden sollte.

Ich wäre nicht groß genug. Nicht schlank genug.
Meine Haare zu blond & zu kurz, mein Bauch zu dick und mein Hintern zu breit. Meine Haut zu blass, dellig, fleckig, schlaff und pickelig.

Wer mich kennt, weiß: ich war nie ein Kind von Traurigkeit und fand mich die meiste Zeit meines Lebens ziemlich okay. Vor allem was meine Optik angeht. Auch die Männer, die ich bis dahin kennen gelernt habe, hatten nie etwas an meinen Kurven und Rundungen auszusetzen.
Doch bis Ende 2018 befand ich mich in einer langjährigen Beziehung, in der mein damaliger Partner mehr Korrekturbedarf in meiner Optik wahrnahm als Attraktives.

Mein Erscheinungsbild wurde akzeptiert, weil ich krank bin.

Die Sache mit der Selbstliebe

Die Sache mit der Selbstliebe ist mittlerweile richtig groß.
Bodypositivity ist in aller Munde.

Doch weiß ich auch von vielen Lipödem ladies, dass das mit der Selbstliebe gar nicht so einfach ist, wenn die Erkrankung deutliche Spuren hinterlässt. Wenn die körperliche Dis­pro­por­ti­on* einen hemmt. Physisch wie mental.

If you can’t love yourself, how in the hell you gonna love somebody else?

Ru Paul

Für mich geht es bei Bodypositivity in erster Linie um Selbstliebe & Selbstakzeptanz.

Etwas das überhaupt nicht zusammen zu passen scheint mit einer Erkrankung wie dem Lipödem.
Denn wie soll ich einen deformierten, dis­pro­por­ti­onierten* Körper, der ständig schmerzt und mich bei alltäglichen Aufgaben behindert akzeptieren oder gar lieben?
Für das mir andere das Gefühl geben, dass etwas mit mir nicht stimmt. Dass ich nicht normal und gut wäre so wie ich bin. Wofür ich sogar ausgegrenzt werde – weil ich ihren Vorstellungen (optisch) nicht entspreche.

Frei machen von dem Druck von außen.
Frei machen von den Problemen, die andere mir aufbürden.
Frei machen von den negativen Gedanken, die andere mir immer wieder ins Bewusstsein drängen.

Frei machen von dem ganzen bullshit!!

Denn bei Bodypositivitiy geht es nicht darum, wie andere mich sehen oder sehen wollen.
Alles was zählt, ist wie ich mich in meiner Haut fühle – unbeeinflusst von der Meinung, den Idealen oder Vorstellungen Anderer.

Dabei war ich mir immer gut genug genau so wie ich bin

Natürlich gehen bösen Kommentare, abwertende Blicke oder Gelächter nicht spurlos an mir vorbei. Auch bei mir haben vergangene Erfahrungen ihre Spuren auf meiner Seele hinterlassen.
Es war auch für mich nicht immer einfach.
Aber ich habe gelernt, damit weitaus gelassener umzugehen – für mich, für meinen Seelenfrieden.

Wie wir bei uns im Pott zu sagen pflegen: dat geht mir sowat von am Arsch vorbei!

Und mittlerweile habe ich Frieden geschlossen mit meinem Körper.
Ja, immer noch gibt es zeitweise Stellen mit denen ich unzufrieden bin, aber das hält mich nicht davon ab mich sexy zu fühlen und zu lieben genau so wie ich bin! ❤

Ich liebe mich so wie ich bin – ohne jedes wenn & aber!


Model: Carina Schmalenberg
H&M: Jasmin Fronholt 
Fotografin: Silvana Denker 
Sponsoren: Dr. med. Olaf Deling / Curameum
Sanitätshaus Gäher
Sanitätshaus Janarium
Sanitätshaus Binn GmbH


*Dis­pro­por­ti­on, die: das Fehlen des richtigen Verhältnisses der Teile zueinander; Mangel an Proportion

https://www.duden.de/rechtschreibung/Disproportion

Ein Kommentar zu „Wie bodypositivity und Lipödem zusammenpassen

  1. Schöner Post! Genau das ist es, was viele nicht verstehen können; dass man sich selbst lieben soll und auch darf! Dass das nicht arrogant ist oder selbstverherrlichend, sondern in Ordnung und sogar notwendig. Schön, dass du es (vor)lebst und öffentlich machst. Hoffentlich dient es vielen als Inspiration! Nicht (nur) die Meinung von außen zählt, hauptsächlich seine eigene. Weiter so!

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