Hype Liposuktion

In letzter Zeit** ist es (online) ziemlich still geworden, um das Thema Liposuktion.

So kommt es mir zumindest vor.
Wo sich vorher Beitrag um Beitrag in den communities wie Perlen auf einer Schnur darüber aneinander reihten, sind es jetzt nur noch vereinzelte Postings.

Woran liegt das?

Ich habe mir dazu mal etwas recherchiert und mir ein paar Gedanken gemacht, die ich mit euch teilen mag.


Die meisten Posts zum Thema Liposuktion bei Lipödem werden online mittlerweile vorrangig in Gruppen gestellt, die sich ausschließlich mit diesem Thema befassen. Dort tummeln sich weiterhin diverse Anfrage zu Praktiken, Ärzten, Empfehlungen & Resultaten immer noch en masse.

Doch auch hier beobachte ich eine abnehmende Euphorie!

Entweder sind mittlerweile alle Lipödem-Patientinnen operiert worden oder die mittlerweile auch vorhandenen kritischen Stimmen in diesen Gruppen, haben einen Effekt auf den „Hype“ Liposuktion.

Seitdem die Liposuktion Kassenleistung ist

Seit September 2019 ist die Liposuktion bei Lipödem Stadium III Kassenleistung.
Gebunden an bestimmte Bedingungen, Rahmenbedingungen und Voraussetzungen zur Qualitätssicherung. Und vor allem befristet.

Wer mehr dazu erfahren will, schaut am besten mal hier.

Persönlich kenne ich keine Betroffene, die bisher aufgrund des oben genannten Beschlusses operiert wurde.
Entweder wurde aus eigener Tasche bezahlt oder nach juristischer Auseinandersetzung mit der GKV. In ganz seltenen Fällen gab die Krankenkasse einen Antrag auf Liposuktion direkt frei.

Die operative Therapie (durch die GKV) beim Lipödem ist auch weiterhin eine Ausnahme.

Nicht alles Gold was glänzt

Ihr wisst genauso wie ich:
Plastische Chirurgen, die Liposuktionen an Lipödem-Patienten durchführen gibt es mittlerweile zuhauf!

Sogar Spezialisten für Liposuktionen beim Lipödem gibt es.
Der Fokus der Operateure ist dabei genauso unterschiedlich wie ihre Erfahrung, ihr Fachgebiet, ihre Techniken und ihre Reputation.

Doch sind wir ehrlich: als das Thema Liposuktion Fahrt aufnahm, wurde dieser Eingriff (IMHO) schon ziemlich romantisiert.

Mal eben flott zur Klinik, „ein bisschen Fett absaugen“, bandagiert werden, vielleicht noch eine Nacht in der Klinik bleiben und dann geht’s auch schon wieder ab nach Hause.
Nach einer Woche sollen die Operierten wieder problemlos am Arbeitsalltag teilnehmen können – abhängig von ihrer Tätigkeit.
Klingt ziemlich easy peasy.
Zumindest, wenn man blauäugig dem ein oder anderen Bericht darüber Glauben schenkt…

Da war ich selbst als Kind, für meine 0815-Mandel-OP, länger im Krankenhaus.

Die Liposuktion ist ein ernstzunehmender operativer Eingriff

Denn bei einer Liposuktion lecken euch keine kleine Baby-Kätzchen das Fett von Armen und Beinen. Das wäre nicht nur äußerst unhygienisch in einem OP-Setting, sondern auch schlichtweg ineffektiv.

Und erwähnte ich: unrealistisch?!

Im Wesentlichen wird das zu operierende Areal betäubt, mit Lösungen angereichert, die unter die Haut und in das Gewebe injiziert werden und anschließend mit unterschiedlich dicken sowie langen Kanülen, die ebenfalls unter die Haut eingeführt werden, wieder entfernt.

Das exakte Vorgehen erfahrt ihr auf den Webseiten, in den Angeboten und Informationsgesprächen, der einzelnen Kliniken und ästhetischen Chirurgen.

Kurz: Es ist ein operativer Eingriff.
Mit allem drum und dran. Mit Blut, Skalpellen, Kanülen, Pflastern, Verbänden, Anästhesie und medizinischem Personal*. In einem OP.

Das ist kein Einkauf unter der Woche, nach Feierabend, beim Discounter kurz vor Ladenschluss, den man mal eben so in seinen Terminkalender rein quetschen sollte.

Alles nur Hype?

Die Liposuktions-Kliniken boomen (immernoch).
Die Fettabsaugungen dort werden auch in Pandemie-Zeiten von COVID-19 weiterhin ohne große Einschränkungen durchgeführt – laut Social Media Postings der Kliniken selber.
Die Maschinerie Liposuktion läuft wohl ungebremst weiter.

Der Hype Liposuktion ist definitiv nicht vorüber!!

Doch hat er (IMHO) an Begeisterungsfähigkeit verloren.

Besonders spektakuläre, mitreißende Werbung
(die eine euphorische Begeisterung für ein Produkt bewirkt)

Welle oberflächlicher Begeisterung

https://www.duden.de/rechtschreibung/Hype

Die Zielgruppe ist übersättigt.
An Informationen rund um die Erkrankung Lipödem, genauso wie an Feedback zu Liposuktions-Erfahrungen & -Ergebnissen. Sie lässt sich nicht mehr ganz so einfach ködern, wie anfangs. Jetzt braucht es scheinbar mehr als Bilder von Tütenweise abgesaugtem, orange-rotem Fett. Doch der Zustrom an Operations-Willigen bleibt und scheint auf einem wirtschaftlich stabilen Maß angekommen zu sein.

Wie ich dazu stehe

Meine Meinung ist unverändert:
zum aktuellen Zeitpunkt würde ich eine Liposuktion nicht freiwillig an mir durchführen lassen!

Für mich ist und bleibt das der Endgegner, die ausweglose Möglichkeit, der allerletzte Strohhalm, gegen mein Lipödöm; wenn die konservative Therapie überhaupt keine Wirkung mehr zeigen würde.

Persönlich bin ich diesem operativen Eingriff gegenüber skeptisch eingestellt. Es ist eine Behandlungsoption. Keine Heilung.
Dabei verstehe ich Heilung im Sinne von restitutio ad integrum und ohne Rückfall-Risiko.

Doch wünsche ich natürlich allen, die sich für diesen Eingriff entschieden habe oder entscheiden werden, nur das Beste!
Vor allem Schmerzfreiheit & ein sich mehr liebendes, besseres Selbstbild.
Ihr habt das verdient. ❤️


Hattest du vielleicht eine Lipödem-Liposuktion?
Bist du mit dem Ergebnis zufrieden?
Bist du schmerzfrei? Oder zählte für dich eher die optische Verbesserung?

Würdest du dich nochmal operieren lassen?
Oder denkst du vielleicht schon länger über eine Liposuktion nach?
Was hielt dich bisher davon ab – außer dem finanziellen Aspekt?

Teile deine Erfahrungen gerne in den Kommentaren mit mir, ich bin neugierig was du darüber denkst bzw. wie deine Erfahrungen sind.


* ohne Gewähr auf Vollständigkeit

** auch schon vor der Corona-Pandemie

Ein Kommentar zu „Hype Liposuktion

  1. Hallo liebes Ruhrpottfräulein,

    ich habe im Oktober 2019 meine erste Liposuktion an den Oberschenkeln durchführen lassen. Dabei wurden 9,5 Liter abgesaugt. Die OP und vor allem die Zeit danach waren absolut nicht easy peasy, sondern sehr sehr schmerzhaft. Trotzdem würde ich es jederzeit wieder machen, weil es sich für mich gelohnt hat. Ich habe sehr viel Lebensqualität zurückgewonnen, war in jungen Jahren im sehr aktiv, was in den letzten Jahren immer beschwerlicher wurde. Ausschlaggebend für meine Entscheidung für die OP war auch der Zustand meiner erst 69jährigen Mutter, die seit ihren Wechseljahren Jahr für Jahr körperlich so sehr abgebaut hat, dass sie inzwischen nicht mehr laufen kann. Und was sind 6 Wochen Schmerzen gegenüber der wiedergewonnenen Lebensqualität für den Rest meines Lebens?

Kommentar verfassen

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.